21.06.2021

Deutscher Nachbarschaftspreis 2021: Auszeichnung für nachbarschaftliches Engagement

Katharina Roth, Geschäftsleiterin nebenan.de Stiftung

Der Deutsche Nachbarschaftspreis geht in die nächste Runde: Katharina Roth, Geschäftsleiterin der nebenan.de Stiftung, erzählt in einem Interview, was dieses Jahr neu ist und für welche Projekte sich 2021 eine Bewerbung besonders lohnt.

Mit dem Deutschen Nachbarschaftspreis zeichnet die nebenan.de Stiftung auch dieses Jahr wieder nachbarschaftliches Engagement aus. Nutze die Chance und bewirb dich noch bis zum 18. Juli mit deinem Projekt! 

 

Dieses Jahr findet der Deutsche Nachbarschaftspreis bereits zum fünften Mal statt. Was ist die Motivation dahinter?

Katharina: Mit dem Deutschen Nachbarschaftspreis möchten wir ein Zeichen für gesellschaftlichen Zusammenhalt setzen und zeigen, dass wir auch im Kleinen die großen Fragen der Gesellschaft angehen können. Vor allem mit kleinen lokalen Initiativen und Projekten wollen wir ein Zeichen setzen und mit gutem Beispiel voran gehen. Insbesondere in der Corona Zeit haben sich viele Nachbarschafts-Initiativen gegründet. Das hat uns auch gezeigt, dass es einen Trend ins Lokale gibt und dieser Trend hoffentlich jetzt auch über die Pandemie hinaus weiter andauern wird.

Letztes Jahr wurden, bedingt durch die Corona-Pandemie, neben den 16 Landessieger:innen und drei Bundessieger:innen auch Coronahilfe-Projekte ausgezeichnet. Was ist neu in diesem Jahr? 

Katharina: Dieses Jahr gibt es ganz neu fünf Themensieger:innen in diesen ausgewählten Kategorien: 

  • Generationen
  • Kultur & Sport
  • Nachhaltigkeit
  • Öffentlicher Raum
  • Vielfalt

Die fünf Themen spiegeln die große Bandbreite des Nachbarschaftlichen Engagements wider. Wir möchten zeigen, dass viele Nachbarschaftsprojekte nicht nur das gute Miteinander vor Ort stärken, sondern dabei helfen, auch im Kleinen die großen gesellschaftlichen Themen anzugehen. Schon im Lokalen können Nachbar:innen mit kleinen Initiativen z.B. dem Klimawandel entgegenwirken. Oder sich mit Aktionen wie Nachbarschaftstreffs gegen eine Vereinsamung der Gesellschaft stark machen und die Generationen wieder mehr zusammenführen.

Der Deutsche Nachbarschaftspreis ist auch dieses Jahr mit über 57.000 Euro Preisgeld dotiert. Abgesehen davon, warum lohnt sich eine Bewerbung?

Katharina: Nachbarinnen und Nachbarn können etwas für die Gesellschaft tun, sich einsetzen, ein Zeichen setzen. Natürlich ist der Deutsche Nachbarschaftspreis auch eine Bühne für schöne Projekte und ermöglicht mehr Aufmerksamkeit in den Medien und der Öffentlichkeit. Neben dem Preisgeld profitieren die Nachbarschaftsprojekte also von einer umfangreichen medialen Aufmerksamkeit, auch über die Preisverleihung hinaus. Das kann für die Projekte wichtige Türen öffnen, das zeigen auch die Gewinnerprojekte aus den letzten Jahren.

2020 fand die Preisverleihung des Deutschen Nachbarschaftspreises auf Grund der Pandemie nur online statt. Wie wollt ihr die Preisverleihung dieses Jahr gestalten?

Katharina: Vor Corona haben wir die Preisverleihung im Festsaal Kreuzberg in Berlin durchgeführt und hatten rund 300 Gäste. Letztes Jahr mussten wir kurzfristig umdisponieren und haben das Event in einem kleinen Studio abgehalten und über Facebook-Live verbreitet. Das war auf der einen Seite schade, auf der anderen Seite konnten so insgesamt viel mehr Menschen in ganz Deutschland an der Preisverleihung teilhaben. Dieses Jahr planen wir von Anfang an mit einer hybriden Lösung für das Event: Wir möchten mit unseren Partnern und einem kleinen Publikum in einem Studio vor Ort sein und das Ganze dann per Livestream für ein breites Publikum zugänglich machen. Am Format der Preisverleihung arbeiten wir derzeit und möchten jetzt noch nicht zu viel verraten.

Was erhofft ihr euch vom diesjährigen DNP und was sind eure langfristigen Ziele für den Wettbewerb?

Katharina: Die Corona-Krise hat verdeutlicht, wie wichtig nachbarschaftliches Engagement ist. Durch den Deutschen Nachbarschaftspreis wollen wir zeigen, dass diese Form der gegenseitigen Hilfe auch bei vielen anderen gesellschaftlichen Herausforderungen ein entscheidender Lösungsansatz sein kann: Vom Umweltschutz bis hin zur Gestaltung eines guten Miteinanders der Generationen. Gerade jetzt an der Schwelle zur Post-Pandemie-Zeit und weit darüber hinaus. Durch den Preis würdigt die nebenan.de Stiftung das bürgerschaftliche Engagement der Initiativen und macht deutlich, wie wichtig eine starke Zivilgesellschaft für den sozialen Zusammenhalt in Deutschland ist.

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01.06.2021

Die nachbarschaftliche Gesellschaft

Die Pandemie hat die Polarisierer nicht verstummen lassen. Aber sie hat auch gezeigt, wie sich sozialer Zusammenhalt stärken lässt.

Von Sebastian Gallander

Die amerikanische Poetin Amanda Gorman sagte in ihrem Gedicht zur Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Joe Biden sinngemäß:

„Und so heben wir unsere Blicke nicht auf das, was zwischen uns steht, sondern auf das, was vor uns liegt.“

Das klingt wie eine Feststellung, ist aber eigentlich eine Aufforderung.

Diese sollten wir auch in Deutschland beherzigen, während wir uns langsam in die Nach-Corona-Zeit vortasten. 

Denn vor der Pandemie gab es in unserem Land aufgeheizte öffentliche Debatten über die Spaltung der Gesellschaft. Darüber gerieten die tatsächlichen großen sozialen Herausforderungen gelegentlich aus dem Blick – wie etwa die wachsende Zahl einsamer und älterer Menschen. Dann kam der erste Lockdown. Damals äußerte ich in der Sommerausgabe der „Stiftungswelt“ – fast genau ein Jahr ist das nun her – die Hoffnung, die Krise würde uns wieder enger zusammenbringen. Nur erhalten heute leider die polarisierenden Stimmen erneut sehr viel Aufmerksamkeit in den klassischen wie auch in den sozialen Medien. 

Man könnte den Eindruck erhalten, diese Stimmen seien in der Mehrheit. Dabei sind sie lediglich besonders laut und übertönen dadurch die vielen anderen, die sich im Stillen für ihre Mitmenschen und ihr lokales Umfeld engagieren. So wie die fast 1.000 Initiativen aus ganz Deutschland, die zuletzt am Deutschen Nachbarschaftspreis der nebenan.de-Stiftung teilgenommen haben. Einer der Hauptpreise ging schließlich nach Fürstenfeldbruck.

In der süddeutschen Kreisstadt wurde gleich zu Beginn der Corona-Krise ein ehrenamtliches Projekt ins Leben gerufen, um schnell, unkonventionell und unbürokratisch die Lücken zu schließen, die die bestehenden Institutionen nicht abdecken konnten. Zu den tatkräftigen Aktionen der Initiative zählte das Einkaufen für ältere oder vorerkrankte Menschen, die Kinder-Notbetreuung, das Nähen von Alltagsmasken, das Ausdrucken von Schulunterlagen für Kinder, die zu Hause keinen Drucker haben, sowie Telefonate gegen die Einsamkeit. 

Koordiniert wurde all dies von einer kleinen Steuerungszentrale, die Hilfsbedarfe und Hilfsangebote miteinander verknüpfte. So gelang es, mehr als 1.600 Freiwillige zu mobilisieren, die sehr vielen Menschen helfen konnten. Ganz nebenbei ist die Stadt dadurch noch ein bisschen „lebenswerter und liebenswerter geworden“. So beschreibt es Monika Graf von der Corona-Nachbarschaftshilfe Fürstenfeldbruck und schwärmt dabei – ganz ohne Pathos, aber mit zupackender Warmherzigkeit – von der Kraft einer Gemeinschaft, wenn alle an einem Strang ziehen.

In der Wissenschaft gibt es für einen im weitesten Sinne ähnlichen Ansatz bereits einen Namen: „Caring Community“ – Sorgende Gemeinschaft. Schon lange vor Corona hatte es dieser Begriff sogar in den offiziellen Engagementbericht der Bundesregierung geschafft. Doch eine wirklich flächendeckende Umsetzung gab es bisher nicht. Nun hat dieser Ansatz am Beispiel Fürstenfeldbruck seine Wirksamkeit in der Praxis erwiesen. 

Inzwischen gab es in Fürstenfeldbruck bereits Nachfragen aus über 30 Städten in ganz Deutschland, wie sie dem Beispiel der dortigen Initiative folgen können. Das Interesse zeigt: Staat und Stiftungen sollten jetzt alles daransetzen, diese Art des freiwilligen Engagements in ganz Deutschland stärker zu fördern. Denn damit wäre nicht nur vielen einsamen und älteren Menschen geholfen. Es würde auch den nachbarschaftlichen Zusammenhalt stärken – und zwar in der gesamten Gesellschaft.

 

Sebastian Gallander leitet die nebenan.de-Stiftung und schrieb diesen Gastbeitrag für das Magazin des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen.

Weitere Infos

03.06.2019

Deutscher Nachbarschaftspreis 2019

Bewerbungsphase gestartet

Ab sofort können sich engagierte Nachbarschaftsprojekte bis zum 29. Juli für den Deutschen Nachbarschaftspreis bewerben. Zum dritten Mal zeichnet die nebenan.de Stiftung mit dem Preis engagierte Nachbar*innen und nachbarschaftliche Projekte auf Länder- und Bundesebene aus, die sich für ein offenes, lebendiges und solidarisches Miteinander in ihrem lokalen Umfeld einsetzen. Der Deutsche Nachbarschaftspreis ist mit über 50.000 Euro dotiert. Ausgezeichnet werden insgesamt 16 Landessieger und drei Bundessieger. Darüber hinaus wird ein Publikumssieger gekürt, der durch eine Online-Abstimmung gewählt wird.

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17.09.2018

Süddeutsche Zeitung: Gastbeitrag von Sebastian Gallander, Geschäftsführer der nebenan.de Stiftung

Alle sind gefragt

Der Mittelstand half Deutschland durch die Finanzkrise. Aus der Demokratie-Krise könnten Ehrenamtliche helfen. 

Vor zehn Jahren stürzte die Bank Lehman Brothers, die Weltmeere der Wirtschaft gerieten in einen Jahrhundertsturm. Deutschland kam dort vergleichsweise gut hindurch, auch weil mehr als 90 Prozent der Unternehmen zu einer besonders soliden Flotte gehören: dem Mittelstand. Heute befinden wir uns wieder in einer großen Krise, die diesmal aber nicht durch eine ökonomische Bedrohung von außen verursacht wird, sondern durch eine gesellschaftliche Spaltung von innen. In der Öffentlichkeit gibt es einen Konflikt zwischen unversöhnlichen politischen Lagern, der durch wenige, aber besonders laute Stimmen immer weiter verschärft wird. [...]

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