Berlin

Weddingweiser

“Der Wedding kommt”, hört man in Berlin immer wieder - halb ernst gemeint, halb scherzhaft. Wedding war in Berlin lange bekannt als zentrumsnaher Problemkiez mit einer hohen Anzahl an Sozialhilfeempfängern und Menschen mit Migrationshintergrund. Doch das schlechte Image ist im Wandel: Auch aufgrund der steigenden Mieten im Berliner Innenstadtgebiet ziehen immer mehr Studenten, junge Familien und auch Besserverdiener in den Wedding und verändern so das Gesicht des Stadtteils. Die Aufwertung des Viertels geht jedoch auch mit Verdrängung einher, was zunehmend für Unmut in der Nachbarschaft sorgt. Wie kann im Wedding der Austausch und die Identifikation mit dem Viertel gestärkt werden?

Eine Gruppe von Anwohnern startete 2011 den Onlineblog “Weddingweiser”, der schnell zu einem viel gelesenen Medium im Stadtteil avancierte. Die Anwohner selbst schreiben in ihrer Freizeit Artikel rund um alles, was ihren Lieblingsstadtteil ausmacht. Inzwischen sind es 17 Laien-Journalisten, die täglich Geschichten sammeln und als Hobbyfotografen unterwegs sind. Dabei handelt es sich meist um Themen, die sonst nicht von der Berliner Presse aufgegriffen werden – zu lokal, zu wenig tagesaktuell, zu wenig prominent.

Nachbarn können sich entweder dem Autorenteam anschließen oder einen Gastbeitrag verfassen. 2014 wurde zudem eine Facebook-Seite und Gruppe “Weddingweiser Pinnwand” gegründet, die inzwischen über 10.000 Mitglieder hat. Die Gruppe dient als Informationsmedium, interaktiver Marktplatz sowie als Austausch- und Diskussionsforum.

Die Initiatoren sind vielfältig in ihrem Stadtteil vernetzt und engagiert. 2017 haben sie z.B. einen Videowettbewerb gestartet, bei dem Nachbarn kleine Filme über den Wedding einreichen konnten. Die Gewinnerfilme wurden im City Kino Wedding vorgeführt.



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